Am Mittwoch, den 29. Januar kamen 50 Menschen in die Aula der Weddinger Ernst-Schering-Schule zusammen
um sich zu Fragen von Diskriminierung und Antidiskriminierung an Schulen im Kiez auszutauschen.
Nach einer Begrüßung von Siga Mbaraga von NARUD e.V., begrüßten wir auf dem Podium:

Kofi Shakur, Politischer Bildner und Dialogmoderator im Projekt: Dialog macht Schule
Aliyeh Yegane, Projektleitung ADAS – Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen
Sevilay Yüksel, Sozialarbeiterin und Koordinatorin von Casa Dar
Sebastian Walter, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Abgeordnetenhaus Berlin

Eleonora Roldán Mendívil von NARUD e.V. moderierte daraufhin zuerst eine spannende Podiumsdiskussion und später auch einen offenen Austausch mit dem Publikum.

Zur Sprache kam das an Berliner Schulen weit verbreitete Konzept „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, wobei kritisiert wurde, dass die Hürden dafür, dass sich eine Schule so nennen darf sehr gering sind und, dass es dazu führt, dass viele Schulen tatsächlich diskriminierende Vorfälle sogar leichter abtun, da sie diesen Namen tragen würden. Hier berichteten Aliyeh Yegane und Kofi Shakur von ihren Erfahrungen. Sebastian Walter sprach dann zum seit 2006 eingeführten bundesweiten Antidiskriminierungsgesetz, sowie zum neuen Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz, welches die rechtliche Verantwortungsübernahme bei auch rassistischem Verhalten von staatlichen Institutionen wie Schule, Behörden und Polizei vorsieht. Eine wichtige Differenz zwischen beiden Gesetzen, da das erste auf staatliche Institutionen gar nicht anwendbar ist. Auch kam es im Landesantidiskriminierungsgesetz zu der Aufnahme von „rassistische Zuschreibung“ statt dem Begriff „Rasse“, welches im Antidiskriminierungsgesetz unmarkiert aufgelistet wird. Aliyeh Yegane erklärte, dass Betroffene Schüler*innen, die sich bei ADAS melden, zu 84% angeben von einer Lehrkraft diskriminiert worden zu sein – die Idee, dass die meiste Diskriminierung unter den Schüler*innen passiere nicht mit den Erfahrungen ihrer Anlaufstelle übereinstimme. Schüler*innen selbst hätten dabei große Hürden diskriminiertes Verhalten jeglicher Art, egal von wem, zu melden. Dabei wurde unterstrichen, dass die Verantwortung des Schultzes der Schüler*innen bei den Lehrkräften liegt, welche oft – aus Überforderung oder Ohnmacht – zu spät eingreifen würden und nicht selten die Kinder und Jugendlichen, die Opfer von rassistischer Diskriminierung wurden, dann zu Tätern – bei auch physischer Selbstverteidigung – gemacht würden. Auch diskriminierendes Schulmaterial („Indianerdörfer“ und „Indianerhefte“ als alltägliche Form der Romatisierung des Genozids an der indigenen Bevölkerung des amerikanischen Kontinenten, klare Vermittlung von welche Menschen mit welchem Aussehen mit „Entwicklung“ und „Zivilisiertheit“ und welche mit „Unterentwicklung“ und „Unzivilisiertheit“ verbunden sind in Schulbüchern) sei ein großes Problem an Schulen.

Sevilay Yüksel, die in Berlin-Neukölln an der Rütli Schule (heute Rütli Campus) in der Elternarbeit tätig war und heute Elternarbeit im Wedding macht brachte zusätzlich die Wichtigkeit offener Elternarbeit in den Fokus. Die Kommunikation von migrantischen Eltern und Schulen sei nicht so schlecht, weil sich migrantische Eltern nicht für ihre Kinder interessieren würden, sondern weil einfach kaum ein respektvoller Umgang von Seiten der Schule angeboten würde. Ihre Erfahrung zeigt, dass wenn Schulsozialarbeiter*innen Eltern auf ihren Sprachen abholen und sie selber Fragen was sie brauchen um sich in der Schule ihrer Kinder zu engagieren, sie auf viele offene Türen stößt. Eltern als fähige, kompetente Menschen auf Augenhöhe ernst zu nehmen sei dabei genauso zentral, wie mehrsprachige Elternabende und das Heranziehen von Sprachmittler*innen.

Aziz Lamere, Geschäftsführer von NARUD e.V. verdeutlichte in einem Abschlusswort die Verantwortung aller für eine positive Entwicklung auch an Weddinger Schulen in Bezug auf Antidiskriminierung.

Das Publikum aus einer Mischung aus Bildungsakteur*innen, Berliner Vereinen, Eltern, Schüler*innen und Wissenschaftler*innen stellte anregende Fragen und diskutierte zur Differenzierung von Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit, zur prekären Situation migrantischer Vereine und dem Problem Rassismus beim Namen zu nennen, zur Wahrnehmung eines „wir“ gegen „die“ und zur bereits auch guten Zusammenarbeit zum Thema an Schulen, dass das Narrativ der diskriminierungsbehafteten Schule Berliner Schulen nicht gerecht würde und nicht alle Pädagog*innen Rassist*innen seien, sowie, dass es ein Verständnis dafür braucht, dass bereits Unterlassung einer antirassistischen Unterstützung für nicht-weiße Kinder von Seiten des Lehrpersonals ein Problem in einer weißen Mehrheitsgesellschaft darstelle.

Nach der Podiums- und Publikumsdiskussion eröffneten wir das Buffet um in einem sozialen Rahmen die Möglichkeit weitere Fragen und Perspektiven auszutauschen zu ermöglichen.

Mit dieser gelungenen Auftaktveranstaltung erhoffen wir uns mehr Aufmerksamkeit für das Anliegen diskriminierungsbewusster Bildung an Weddinger Schulen angeregt zu haben und freuen uns auf die kommenden Möglichkeiten mit Schulen aus dem Kiez zusammenarbeiten zu können.